Há Caracois

Es gibt Schnecken - aus dem Buch "Algarve genießen" von Catrin George
Freitag, 08 Juli 2016 | Gastronomie

An dem Tag, an dem überall auf der Straße vor den Cafés und Snack-Bars Tafeln stehen, auf denen eine Schnecke dem Gast entgegenlacht und darunter mit kühnem Kreidestrich Há Caracois - es gibt Schnecken - geschrieben steht, ist Sommer.

Alle Jahre wieder kehren Schnecken zurück auf den lokalen Speiseplan und alle Jahre wieder etwa ab Anfang/Mitte Juni, also dann, wenn die Algarve den Sommer und seine Urlaubsgäste begrüßt.

Auf den Terrassen der Lokale stehen gedeckte Tische, Sonnenschirme sind aufgespannt, Markisen geöffnet. Damen laufen in schicken Sandalen, Herren zeigen Wadenmuskel in knielangen Shorts. Jeder ist draußen unterwegs, richtet sich sein persönliches Open-Air Eckchen ein. Ein Dorffest löst das andere ab, jedes mit einem anderen Motto, die Tage sind heiß, die Abende lau, da genießt man jede freie Minute, um mit anderen zu essen, zu feiern und zu lachen.

Zugegeben, hierzulande ist Schnecken essen Friemelei. Entgegen der weithin kulinarisch bekannten Weinbergschnecke mit großem Haus, wovon vier bis sechs Stück zubereitet mit Kräuterbutter eine ordentliche Portion stellen, kommen in den hiesigen Kneipen und Cafés Unmengen winzige Schneckenhäuschen in den Topf und landen wohl bemessen aufgehäuft auf Tellern, in Schüsseln und Platten allgemein mit Buttertoast als Beilage serviert, als Vorspeise oder Petisco Nachmittagszwischenmahlzeit auf dem Tisch. Schnecken isst niemand allein, man teilt eine oder mehrere Portionen und vor allem den Spaß, mit den Fingern zu essen.

Das erdfarbene, im Häuschen gesottene Schneckenfleisch friemelt man am leichtesten mit einem Zahnstocher heraus, mit einem Metallstäbchen oder mit einem Stück abgeschnittenen Stachel vom Blatt von der Agave. Dabei hält man das Schneckenhaus mit der Öffnung nach oben zwischen Zeigefinger und Daumen fest und führt den Zahnstocher in einer halben Drehung unter das Schneckenfleisch in das Häuschen und zieht es in einem Rutsch hervor.

Man kann Schnecken in fast jeder Kneipe im Juni und Juli bestellen, selbst kaufen und zubereiten oder auf einem traditionellen Dorffest probieren. In Porches, im Landkreis Lagoa findet jedes Jahr im Juli ein Schneckenfest mit Musik und Tanz auf dem hierfür speziell dekorierten Fußballplatz statt. Man bezahlt beim Eingang einen Obolus und erhält einen Bon für eine Portion Schnecken pro Person. Brot, Getränke und andere Probierhäppchen kauft man nach Gusto dazu.

In Castro Marim findet jedes Jahr Anfang Juli auf dem Hügel Revelim de Santo António ein internationales Schneckenfest statt. Ein kulinarisches Schneckenspektakel, wo der Gast wählen kann zwischen Schnecken auf portugiesische Art mit Knoblauch und Oregano, auf französische Art mit Rotwein und Champignons, oder mit Cidre und Sahne, auf spanische mit roter Wurst und pikant oder auf marokkanische Art mit Kreuzkümmel, Minze und Knoblauch zubereitet. Außer Schnecken bieten die Gastronomiezelte auf dem familiär ausgerichteten und international gut frequentierten Volksfest lokale Spezialitäten an, dazu zählen Kraken-Rogen vom Grill, getrockneter Hornhecht und Dicke Bohnen mit Bachminze. Mit Blick gen Spanien, Meer und Vila Real de Santo António im Schatten der Burg von Castro Marim sitzend und sich durch Schneckenberge probierend, ein rundum leckeres Erlebnis.

Zu Hause bereitet man einen Liter Schnecken mit 1 Essl. Olivenöl, 1 Tasse Weißwein, einer gut bemessenen Prise Meersalz, 6 Knoblauchzehen mit der Hand flach gequetscht, und reichlich Oregano in einem hohen Topf mit Deckel in etwa 20 Minuten zu. Wer mag, experimentiert zusätzlich mit klein geschnittener Paprikawurst, Piri-Piri-Öl und fein gehackten Zwiebelwürfeln, um dem Sud mehr Pep zu geben.

 

Dieser Artikel ist dem Buch "Algarve genießen“ von Catrin George entnommen. Weitere Rezepte und Tipps von ihr werden wir hier in den nächsten Monaten veröffentlichen. Das Buch können Sie hier bestellen:

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